Polyester-Baumwoll-Mischgewebe sind Standard in Schutz-, Berufs- und Funktionskleidung, ihr Recycling ist bislang jedoch stark eingeschränkt. Mechanische Verfahren mindern die Faserqualität, chemische Ansätze führen häufig zum Verlust einzelner Komponenten. Das vom deutschen Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte Projekt «TheKey» hat nun einen ersten Meilenstein erreicht: Unter industrienahen Bedingungen konnten aus polyesterhaltigen Alttextilien die Monomere Terephthalsäure (TA) und Ethylenglykol (EG) so zurückgewonnen werden, dass sie geltenden Industrienormen entsprechen und sich für die Herstellung neuen Polyesters eignen.
Grundlage für neue PET-Fasern
Die Projektpartner sehen darin die Basis, um aus gebrauchten Funktions- und Berufsbekleidungen künftig wieder hochwertige PET-Fasern zu produzieren. Möglich wird dies durch ein weiterentwickeltes chemisches Verfahren, das aktuell in Bezug auf Robustheit, Reproduzierbarkeit und Ausbeute optimiert wird. Im nächsten Schritt soll der Prozess auf einen kontinuierlichen Betrieb übertragen werden, um ihn perspektivisch in industrielle Recyclinglinien integrieren zu können.
Baumwollfraktion als zweite Entwicklungsstufe
Neben der Polyesterkomponente zielt «TheKey» auch darauf ab, den Baumwollanteil der Mischgewebe in wiederverwertbarer Qualität zu gewinnen. Die Baumwolle lässt sich bereits abtrennen, erfüllt derzeit jedoch noch nicht die Anforderungen für ein direktes Recycling in bestehende Baumwollketten. Im Projekt wird daher an einem Verfahren gearbeitet, um die Cellulose so aufzubereiten, dass sie sich beispielsweise im Lyocell-Prozess zu neuen hochwertigen Fasern verarbeiten lässt. Das getrennte Recycling von synthetischen und natürlichen Fasern aus Mischgeweben adressiert eine der zentralen Herausforderungen der Textil- und Kunststoffindustrie.
Interdisziplinäres Konsortium und Projektziele
An «TheKey» sind acht Partner aus Industrie und Forschung beteiligt, darunter Mewa Textil-Service, Jako, Matterr, Klopman, Hero-Textil sowie mehrere Hochschul- und Forschungsinstitute mit Schwerpunkten in Verfahrenstechnik, Textiltechnologie, Materialwissenschaft und Ökobilanz. Ziel ist es, am Projektende Lösungen vorzuweisen, mit denen zurückgewonnene Polyester-Monomere zu PET-Fasern in Primärqualität und Baumwollcellulose zu hochwertigen Fasermassen verarbeitet werden können. Dazu gehören auch die Skalierung des Verfahrens, die Qualitätskontrolle der Rezyklate und die Entwicklung praxistauglicher Produktionskonzepte.
Mewa als Praxispartner für Funktions- und Berufskleidung
Mewa aus Oftringen (AG) bringt in das Projekt seine Erfahrung als Anbieter von Beruf- und Schutzkleidung im Textil-Service ein. Das Unternehmen versorgt mit 53 Standorten und über 6 000 Mitarbeitenden mehr als 200 000 B2B-Kunden in Europa mit Berufs- und Schutztextilien sowie Mehrweg-Putztüchern. Über 1.1 Millionen Beschäftigte tragen Berufskleidung von Mewa, 3.1 Millionen nutzen Mewa-Mehrwegtücher zur Reinigung von Anlagen und Maschinen. Mit einem Umsatz von 937.9 Mio. Euro im Jahr 2024 und einer konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmensstrategie bietet Mewa eine praxisnahe Plattform, um neue Recyclingansätze für Funktionskleidung in geschlossene Materialkreisläufe zu überführen.