Die Kreislaufwirtschaft gewinnt in der Schweiz strategisch an Bedeutung – doch die praktische Umsetzung hinkt hinterher. Das zeigt der neue «Statusbericht der Schweizer Kreislaufwirtschaft» der Berner Fachhochschule (BFH) und der Konjunkturforschungsstelle KOF.
Strategisch verankert – aber wenig umgesetzt
Während 27 Prozent der Unternehmen die Kreislaufwirtschaft in ihre Geschäftsstrategie aufgenommen haben (2020: 11 Prozent), setzen nur 10 Prozent mehr als zehn konkrete Massnahmen um. Auch Investitionen bleiben tief: Lediglich 7 Prozent der Firmen investieren mehr als 10 Prozent ihres Budgets in zirkuläre Aktivitäten.
«Die Entwicklung auf strategischer Ebene ist sehr dynamisch, das ist positiv und zeigt, dass das Konzept der Kreislaufwirtschaft bei Unternehmerinnen und Unternehmern zunehmend etabliert ist», sagt Co-Autor Prof. Tobias Stucki von der BFH. «Aber die Schweiz bleibt an der Oberfläche, noch fehlt die Tiefe.»
Unterschiede nach Firmengrösse und Branche
Vorreiter sind grosse Unternehmen mit über 250 Mitarbeitenden, die Kreislaufwirtschaft zu 54 Prozent strategisch verankern. Mittelgrosse Firmen liegen bei 39 Prozent, kleine bei 23 Prozent. Besonders aktiv sind Branchen wie Telekommunikation, Elektronik und Medizintechnik, während Bau oder persönliche Dienstleistungen noch am Anfang stehen.
Relevanz für die Kunststoffbranche
Für die Kunststoffindustrie bedeutet die Verzögerung eine verpasste Chance. Gerade bei der Gestaltung von Materialkreisläufen, Recycling und alternativen Rohstoffen wäre eine tiefere Umsetzung dringend nötig. «Im Durchschnitt steht die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft derzeit nur dann in einem positiven Zusammenhang mit der Umsatzproduktivität, wenn sie gleichzeitig die Effizienz des Unternehmens steigert», ergänzt KOF-Co-Autor Prof. Martin Wörter.