Die EU-Verordnung 2024/3190 zwingt Hersteller von Maschinen für die Lebensmittelindustrie zum Umdenken. Ab Juli 2026 dürfen Komponenten mit Produktkontakt keine Bauteile mehr nutzen, die den hormonell wirksamen Kunststoffbestandteil Bisphenol-A enthalten. Das Verbot gilt für alle Maschinen, die neu in den Markt eingeführt werden; für bestehende Produktlinien läuft eine Übergangsfrist bis Januar 2028. Vor diesem Hintergrund suchen viele Konstrukteure nach normgerechten Alternativen ohne zusätzliche Anpassungsaufwände.
Iglidur A351 als BPA- und BPS-freier Werkstoff
Zur Hannover Messe 2026 präsentiert Igus den Bisphenol-freien Gleitlagerwerkstoff Iglidur A351, auf den Konstrukteure ohne technische Einbussen oder zusätzliche Anpassungen umsteigen können. Aus Iglidur A351 lassen sich unter anderem Gleitlager für Förderanlagen, Zahnräder für Verpackungsmaschinen sowie Bauteile mit direktem Produktkontakt wie Führungen oder Abstandshalter in Abfüll- und Verpackungsanlagen fertigen. Das Material ist in mehreren Fertigungsformen verfügbar: als Kunststoffgranulat für den Spritzguss, als Halbzeuge für die CNC-Bearbeitung sowie als Filament für den 3D-Druck.
Zitat: Normgerecht und bisphenolfrei
«Konstrukteure können mit Iglidur A351 auch in Zukunft normgerecht arbeiten. Denn das Material ist nicht nur FDA-konform, sondern auch frei von Bisphenol-A und Bisphenol-S», erklärt Lars Butenschön, Leiter Geschäftsbereich Iglidur Gleitlager bei Igus. «Wir wollen Konstrukteuren damit den Umstieg erleichtern. Viele berichten uns, dass die neue EU-Verordnung 2024/3190 grosse Herausforderungen bei der Beschaffung geeigneter Komponenten verursacht.»
Eigenschaften für den Einsatz in der Lebensmittel- und Verpackungstechnik
Iglidur A351 kombiniert mehrere Eigenschaften, um den hohen Anforderungen der Lebensmittelindustrie gerecht zu werden. Der Werkstoff besitzt eine Dichte von etwa 1.42 g/cm3 und erreicht damit eine hohe Stabilität bei geringem Gewicht im Vergleich zu Metalllösungen. Die Druckfestigkeit liegt bei rund 78 MPa, sodass Bauteile auch unter höheren Flächenpressungen zuverlässig arbeiten können. Die geringe Feuchtigkeitsaufnahme von etwa 0.6 Prozent unterstützt Masshaltigkeit und Funktionssicherheit in feuchten Produktionsumgebungen. Zusätzlich ist der Werkstoff für Dauertemperaturen zwischen -100 °C und +180 °C ausgelegt und übersteht damit sowohl hohe Prozesstemperaturen als auch intensive Reinigungszyklen.
Trockenlauf und Detektierbarkeit für mehr Produktsicherheit
Als Teil der Iglidur Produktfamilie setzt Iglidur A351 auf integrierte Festschmierstoffe. Sie ermöglichen, anders als bei Metalllagern, einen hygienischen Trockenlauf ohne externe Schmiermittel. «Dieser Selbstschmiereffekt reduziert Wartungsarbeiten erheblich, sodass Maschinen wirtschaftlicher und ausfallsicherer zugleich arbeiten», sagt Lars Butenschön. Ein weiteres Merkmal ist die blaue Farbe des Materials, welche die Detektierbarkeit über optische Systeme erhöht und damit die Produktsicherheit in der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie unterstützt. Wie alle Igus Materialien ist auch Iglidur A351 im firmeneigenen, 5’500 Quadratmeter grossen Labor getestet.